Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen… Dieses althergebrachte Sprichwort besitzt auch in unseren Zeiten uneingeschränkt Gültigkeit, wie unser Schweizer Clubmitglied Markus Mosch berichtet. Seine Rückfahrt aus der Auvergne im Juli 2005 gehört für ihn sicher zu den unvergesslichen Erlebnissen!

An dieser Stelle wollte ich eigentlich meinen Beitrag zu „Wie kam ich zu meinem R16“ leisten. Aus aktuellem Anlass aber eine andere R16-Geschichte.

Nachdem meine Schwester und ich zusammen mit Dietrich Wenner und Jens Engelmann den letzten Teil des R16-Treffens in Randan bestritten, nahmen wir um 15.00 Uhr eine Teilstrecke unserer Rückfahrt ins Züricher Oberland unter die gut gefederte Räder.

Bereits bei der ersten Autobahnsteigung (7 %) meldete die Temperaturanzeige an, dass der Motor überhitzt war. Zum Glück gab mir zu diesem Zwecke Holger Schmidt den guten Rat auf die Reise, die Heizung und die Lüftung in diesem Falle voll aufzudrehen, damit die warme Luft im Motor abgeführt werden kann. Dies tat ich dann auch, worauf der Motor wieder abgekühlt wurde und wir die Berg- und Talfahrt bis St. Etienne gut über die Runden brachten. Bei Außentemperaturen von 35 Grad macht auch ein gut geheizter Wagen keinen Unterschied aus, und im Gegensatz zu den klimatisierten Einheitsautos von heute hatten wir den Vorteil, dass wir beim Verlassen des Autos die Außentemperatur als angenehm empfanden.

Nach Lion verließen wir die Autobahn, um auf der alten Bundesstraße Richtung Genf zu tuckern. In Neuveville l’Ain bezogen wir dann unsere Unterkunft.

Wir beschlossen, um 06.00 Uhr morgens los zu fahren, damit wir den kühleren Teil des Tages nutzen konnten und so um 14.00 Uhr wieder zu Hause sein würden.

Also vor der Abfahrt noch einen kurzen Blick unter die Haube und ab gehen sollte es. Das gute Stück wollte aber nicht anspringen, worauf ich den angenehmeren Teil des Anstoßens bestritt und meine Schwester derweil schob, und – schwupps – lief der Wagen wieder.

So konnten wir während rund 90 Minuten die herrliche Berg- und Landschaft des Departement l’Ain vom R16 aus genießen.

Kurz nach Bellgarde, bei einer schmalen Bergstrecke, begann der Wagen an zu ruckeln, und ich quälte das gute Stück mit letzter Kraft in eine kleine Nische. Zum Glück reichte es noch zu dieser Nische, ansonsten hätte das Ganze in einem kleineren Verkehrszusammenbruch geendet.

Der Blick unter die Motorhaube zeigte mir bald, dass die Batterie „futsch“ war und auch der Liter destilliertes Wasser nicht mehr half. Zu Fuß begaben wir uns zurück nach Bellgarde, wo bereits eine Renault-Garage auf Kunden wartete. Ich teilte dem Besitzer mit, dass wir mit unserem Renault, den Typ nannte ich nicht, sonst hätten sie ihn womöglich nicht abgeholt, eine Panne haben. Dieser versprach uns den Wagen zu holen, und wir nahmen derweil das Frühstück ein.

Die Diagnose war ernüchternd. Der Alternator war hinüber und auch in Frankreich nicht in nützlicher Frist aufzutreiben. Mein Ziel war es, mindestens wieder in die Schweiz (40 km) zu fahren, und so besorgte man mir eine viel zu große Batterie, welche mit Schnüren befestigt wurde. Zudem wurden der Keilriemen und der Anschluss zum Alternator entfernt. Um 140,00 € erleichtert und mit dem Tipp, die Batterie nach 200 km wieder aufzuladen, nahmen wir einen weiteren Teil unserer Rückreise unter die immer noch gut gefederten Räder.

Die Weiterfahrt, obwohl die Richtungsanzeiger nicht mehr funktionierten, verlief problemlos, da wir die Spurwechsel im Notfall mit Handzeichen ankündigten.

In Murten, der ersten deutschsprachigen Gemeinde auf der Strecke, beschloss ich eine Schnellaufladung der Batterie zu veranlassen. Der junge Werkstattchef war sehr zuvorkommend und es ging nicht lange, da legte die gesamte Belegschaft die Arbeit nieder und bestaunte, was Renault mal für schöne Autos gebaut hatte. Zudem hat der Werkstattchef einen Freund, der zur Zeit einen R16 restauriert.

Nach einer Stunde, um 15.00 Uhr, fuhren wir dann weiter, in der Gewissheit, dass wir in gut zwei Stunden unsere Garage erreichen würden, aber es sollte anders kommen.

Ca. 20 km nach Bern in Richtung Zürich bemerkte ich, dass auf der Fahrerseite Rauch unter der Motorhaube entwich. Aus praktischen Gründen fuhr ich dann noch unter die nächste Autobahnbrücke, denn ein Gewitter war im Anzug.

Wieder Motorhaube auf (das kann ich bald am besten), und ich entdeckte schnell den Kabelbrand. Das Kabel, welches den Ventilator mit dem Relise verband, war durchgeschmort. Nun kam der TCS (das ist der Schweizer ADAC) zum Einsatz. Der gute Mann war in fünf Minuten vor Ort und meinte, ich solle ihm folgen, er würde mich in eine nahe Renaultgarage (was sonst) lotsen.

Dort angekommen erwartete uns der Besitzer, welcher bereits im Rentenalter sein dürfte. Es ging nicht lange, kam er mit einem Ventilator eines R16 TS unter dem Arm und wollte diesen montieren, was aber nicht gelang. Der Garagist erklärte mir dann, dass er ebenfalls einen 67er R16 und einen TS in restauriertem Zustand besitze und diese in einer Garage standen. Verkaufen? Nee!!!

Nachdem die Montage des Ventilators nicht möglich war, empfahl man mir, nach Hause zu fahren, was die beiden bei den gesunkenen Temperaturen für möglich hielten.

Nun war meine Garage gefragt und diese gab mir wiederum den Rat, das Fahrzeug unbedingt stehen lassen, um keine Folgeschäden zu verursachen. Und nachdem ich meine Helfer überzeugen konnte, dass nur noch das hintere Rücklicht funktionierte, entschloss man sich, den Rücktransport zu organisieren und drückte mir zwei 1. Klasse Billette der guten alten Bahn (Jens wird’s freuen) in die Hand.

So stiegen wir dann um 17.00 Uhr in die Bahn und kamen wohlbehalten um 19.30 Uhr zu Hause an.

Der Wagen wurde am folgenden Tag bei meiner Werkstatt abgeliefert, was für den Fahrer des Transporters eine halbstündige Verspätung bedeutete, denn es wurde wieder einmal gefachsimpelt und geschwärmt, was für ein toller Wagen der R16 sei.

Fazit: Jedes moderne Auto hätte bereits in Bellgarde den Geist aufgegeben, mit einem R16 kommt man (fast) immer ans Ziel (oder nahe dran)!

Ich habe nun meiner Garage den Auftrag gegeben, dass spätestens bis zum Treffen in Trier alles wieder in Ordnung sein muss, wobei diese meinte: „Dini Närve möchte i ha“. In gutem Hochdeutsch: „Deine Nerven möchte ich haben!“

Nun freue ich mich bereits jetzt, bald wieder viele Freunde des R16 in einer wunderschönen Gegend zu treffen, Gedanken auszutauschen und zu spüren, was es für ein Gefühl ist, diesen tollen Wagen zu fahren, zu schieben oder einfach nur die Motorhaube zu öffnen.

A bientôt

Markus Mosch